Ultra Athlet

Train Hard. Race Harder. Enjoy Hardest.



09.05.2015 43. GutsMuths-Rennsteiglauf


Was sagen einem Ultraläufer die Worte „Das ist der Hammer!“? Ein Ausspruch der auf viele Ultra- und UltraTrail Läufe passen könnte. Einer davon ist definitv der Rennsteig-Supermarathon.

Schon lange hatte ich den Wunsch hier auch einmal zu starten. Zu viele Geschichten und Mhyten ranken sich um diesen Lauf, das wollte ich auch eines Tages erleben.
Ich kann mich noch gut daran erinnern, als mir meine damaligen Nachbarn zum ersten Mal von einem Lauf namens „Rennsteig“ erzählt haben. Damals war ich froh 6 km zu joggen, ohne aus der Puste zu kommen, und dachte weder an einen Marathon noch an etwas mit Höhenmeter und schon gar nicht an 72, 7 km und 1.400 Höhenmeter. „Die sind doch bekloppt“ war eher mein Gedanke! Nunja, so ändern sich die Zeiten ;-)

Es war mehr oder weniger ein Zufall, dass gerade 2015 das Jahr für den Rennsteig werden sollte. Eigentlich hatte ich mir für dieses Jahr Biel feste vorgenommen. Jedoch viel Biel dieses Jahr auf das gleiche Wochenende wie der Doppel Triathlon in Emsdetten. Als ich mich dann zwischen den beiden Veranstaltungen entscheiden musste war schnell klar, dass Emsdetten den Stich machen würde.

Nun brauchte ich eine neue läuferische „Herausforderung“ für 2015, was lag also näher es mit dem Rennsteig „aufzunehmen“.

Gesagt, getan. Also meldete ich mich gleich für den Supermarathon an. 73 km und 1400 hm klingt nicht schlecht, dachte ich mir. Ich bin bisher schon längere Strecken gelaufen, jedoch noch nicht mit der Anzahl der Höhenmeter.

Daher ein bisschen Training wäre nicht schlecht. Frage, wie trainiert man dafür am besten…
Solange ich die meiste Zeit der Woche im Taunus gewohnt habe, waren Höhenmeter nie das Problem. Egal wo man hier langfährt oder läuft, es geht immer irgendwie hoch J  Jetzt wo ich nur noch 1-2x dort verweile ist das nicht mehr so einfach. Aber da gibt es ja noch den guten alten Feldberg. Parkplatz Hohemark und dann 600 hm am Stück bergauf. Das sollte doch reichen. Also bei Gpies meine alten MTB-Trail Strecken ausgegraben, auf die Laufuhr und abdafür. Ich kann gar nicht sagen wie überrascht ich war als ich an den Steilen Trails mir die Zähne ausgebissen habe. Da bin ich früher mit dem Rad runter, wie in Gottes Namen habe ich das gemacht!??? Und wieso lebe ich noch? ;-)
Egal irgendwie kommt man schon hoch, und wenn man geht oder halb klettert. Zwischenstopp war der Altkönig. Schöne steinige Trailgegend. Gutes Gebiet um den richtigen Laufstiel  zu trainieren. Hier muss man schon aufpassen wohin man den Fuß setzt. Schnell ist man umgeknickt oder gestürzt, gerade bergab. Gleiches gilt für die „Weiße Mauer“ welche ich mir für den Rückweg aufgehoben hatte. Am Ende hatte ich knapp 30km und 900 hm auf der Uhr. Allerdings auch einen Schnitt von über 7 min/km. Aber egal ich wollte in Rennsteig eh keinen neuen Rekord aufstellen, sondern laufen und ankommen.

 

Geplant hatte ich diesen Lauf kurz vor dem Wettkampf noch mal zu wiederholen, sozusagen als Test wo ich denn stehe. Allerdings kam dann alles etwas anders als „geplant“……

 

Ein Radunfall 2 Wochen vor dem Rennsteig schien alle sportlichen Projekte für die nächste Zeit unmöglich zu machen. So schnell kann es manchmal gehen. Eine kleine Unachtsamkeit eines Autofahrers und das war‘s….

Jetzt waren meine Verletzungen nicht gerade unerheblich und auch ziemlich schmerzhaft. Aber trotzdem hätte es noch viel schlimmer kommen können. Ohne Helm säße ich wohl eh nicht mehr hier und könnte das hier schreiben. Zumindest hatte ich keine Brüche. Zudem waren die gröbsten Verletzungen im Schulter und Nackenbereich. Die Wade hatte es allerdings auch erwischt. Laufen war die ersten Tage genauso wenig möglich wie den Arm höher als Schulterbereich zu heben.

Ich war Emotional schon ziemlich am Boden. Nicht nur das es mir mein Highlight für dieses Jahr in Emsdetten in weite Ferne rücken ließ, auch an einen Start beim Rennsteiglauf war so nicht zu denken. Aber es nutzte nichts, Pause war angesagt. Aber so leicht wollte ich nun auch nicht aufgeben. Daher holte ich  mir Rat und Unterstützung und fing an wenigstens etwas die Muskeln zu bewegen - soweit es eben ging. Das hieß gehen/wandern statt laufen, Dehnen, Massagen, Sauna… Nur auf keinen Fall nichts machen, sonst wird man steif wie ein Brett…..
Viel geholfen hat mir auch hier wieder mal Stefan Chares (http://www.naturheilpraxis-chares.de/).

Und siehe da, kleines Wunder, es wurde von Tag zu Tag besser. Trotzdem fit ist etwas anderes. Ich ließ mir auch Zeit und entschied erst einen Tag vorher es mit dem Rennsteig zu versuchen…

Also lief alles sehr spontan. Mittags meinen Freund Reiner angerufen, dass ich vor habe zu starten. Auf der anderen Seite ein kurzes „Aha“, dann kam schon „wann wollen wir fahren“. Man kennt sich mittlerweile schon so gut, da braucht es nicht viele Worte oder Fragen ;-)
Nachts bzw. Morgens um 2h hieß es aufstehen. Obwohl zum Aufstehen hätte man eigentlich erst mal schlafen müssen. Davon konnte man nicht gerade reden; mehr als 3h waren es nicht. Dann schnell fertig machen. Die Taschen hatte ich zum Glück am Abend zuvor schon gepackt. Noch schnell einen Café und 2x in den leckeren Haferflockenriegel beißen und ab ins Auto…

Ich bin nicht gerade ein Freund von frühen Veranstaltungen. Start um 6:00 Uhr. Hätte 9:00 h nicht auch gereicht!?? Aber gut, da müssen alle durch. Kurz vor 5:00 Uhr waren wir am Marktplatz in Eisenach angekommen. Das einzig Gute an dieser „Unchristlichen Zeit“ war, dass die Straßen frei waren. Wir hatten auch Glück einen Parkplatz direkt am Markt zu bekommen. Der Platz war noch wie ausgestorben. Hier sollten in gut 1 Stunde über 2.000 Ultraläufer an den Start gehen!? Egal sollte mir recht sein, dann gibt es wenigstens keine Schlangen an der Startnummernausgabe und bei den Toiletten. *immer positiv denken*

Reiner begleitet mich noch kurz zur Startnummernausgabe und gab mir die letzten Wetterdaten. WETTER!?? Da hatte ich zuletzt vor 3 Tagen nach gesehen. Wie sollte es denn jetzt überhaupt werden, war ich richtig angezogen. Info kam prompt, bis zu 20°C möglich, aber mit Schauern musste gerechnet werden. Naja meine kleine Regenjacke hat eh ihren festen Platz in meinem Salomon Rucksack. Also nicht verrückt machen lassen. Momentan sah es am Himmel noch gut aus. Nach dieser Nachricht machte sich Reiner weiter auf den Weg nach Neuhaus zu  seinem Startort für den Marathon. Später würden wir uns, sofern alles gut lief, im Ziel in Schmiedefeld wiedersehen.

Die Zeit bis zum Start verging ziemlich zügig. Vorne gab es wieder eine Rede, von der ich akkustisch kaum etwas mitbekommen habe. Was ich hörte war, dass sie die CD von Schneewalzer nicht vorliegen hätten. Scheinbar war das ein Brauch, die Läufer mit diesen Klängen auf die Strecke zu schicken…. Dafür gab es das Rennsteiglied. Was soll‘s, ich bin hier um zu laufen und nicht auf einem Konzert…

Kurz nach 6:00 Uhr fiel der Startschuss und los ging es. Zuerst nur verhalten, die Masse an Läufer musste sich auf den schmalen Gassen erst etwas sortieren. Es würde auch noch einiges an Zeit vergehen bis man seinen eigenen Tritt und seinen eigenen „Laufbereich“ haben sollte. Aber bevor es soweit war ging es erst mal durch die Fußgängerzone Richtung Nikolaitor. Nach gut 600m war es dann vorbei mit dem „Einlaufen“, denn es ging bergauf. Auf dem Schild stand etwas von „Schloss Pfugensberg“. Gesehen habe ich es jedenfalls nicht. Wegmäßig befanden wir uns zumindest auf der sogenannten „Weinstraße“. Sozusagen der Zubringer zum Rennsteig. Die Wege wurden schmaler und das Feld zog sich entsprechend. Vorbei ging es am „Drachenstein“ bis wir in der Nähe vom „Marksuhl“ dann auf den „Rennsteig“ abbogen, der uns die nächsten 65 km bis ins Ziel nicht wieder „loslassen“ sollte. Applaus und Anfeuerungsrufe gab es von jedem Passanten an der Strecke. Auch war man nie wirklich alleine. Zumindest bei meinem Tempo gab es immer Läufer um mich herum. Ich hatte ja eh keine Ambitionen was die Zielzeit angeht. Mein Plan war laufen solange es geht und sehen wie weit ich komme. Daher auch immer aufpassen, sich nicht „mitreisen“ zu lassen. Schön gemütlich die Berge hoch nur nicht zu viel Druck auf die Waden geben. Ich hatte die Strecke geistig in 3, ca 25km große, Abschnitte aufteilt. Die ersten knapp 25 würde es bis zum „Inselberg“ bei km 25,5 fast ausschließlich bergauf gehen. Wenn ich das gut übersehen sollte, dann kann man weiter sehen. Leider sah es am Anfang überhaupt nicht gut aus. Alles zwischen Füße und Knie spielte mit mir „Mensch Ärger doch den Clemens“. Es war total verrückt. Schon nach 1 km ging es los. Stechende Schmerzen Achillessehne rechts, dann Schmerzen über dem linken Knöchel. Dann linke Wade, dann kam die rechte dazu. Gefühlt war nicht nur ich läuferisch unterwegs, sondern die Schmerzen waren mit mir auf Wanderschaft an und rund um die Waden. Scheinbar wollten sie mich nicht alleine unterwegs sein lassen. Aber Spaß bei Seite. Das ging immer so ca 5-10 Minuten dann war der Schmerz an einer anderen Stelle. Jetzt kommt aber das „Gute“. So nach 20km war alles plötzlich fast weg. Nur noch ganz leicht war etwas zu spüren, aber nach 20 km bergauf war das jetzt auch nicht total ungewöhnlich…  Ich weiß bis heute nicht was da los war. Ich weiß nur, dass es so unangehmen war, das ich mehrfach kurz davor war auszusteigen. Im Nachhinein bin ich natürlich froh es nicht gemacht zu haben. Hätte natürlich auch anders kommen können….

So aber hatte ich nach gut 25 km den besagten „Inselberg“ erreicht und war sehr zufrieden. Durch das Moderate Tempo, das ich meinen Muskeln und Sehnen zuliebe angeschlagen hatte, tat natürlich auch dem Herz-Kreislauf gut, und so fühlte ich mich auch guter Dinge für den weiteren Weg.

Rauf und Runter immer wieder, das war das Motto des Tages. Die Strecke wechselte immer mal wieder von Forstwegen, Asphalt, Trail, Wurzelpassagen, Steinwegen…  War also schön abwechslungsreich. Die Verpflegungsstellen ließen an nichts missen und hatten immer genug Flüssigkeit, bzw. Nahrung im Angebot. Da ich mich die meiste Zeit auf meine eigene Verpflegung verlassen hatte und auch meine Hydroblase gut gefüllt war, nahm ich dieses Angebot kaum in Anspruch. Obwohl mich die Würstchen schon sehr verlockt haben J

 

Km 51 VP „Gustav-Freytag-Stein“. Das zweite drittel war geschafft. Hier und da zwickte und zwackte es zwar in den Waden, aber im großen und ganzen war es ok. Hatte es schlimmer erwartet. Ein kleiner Regenschauer ging hier auch nieder. Aber das fand ich eher als erfrischend, man ist ja nicht aus Zucker. Zudem war es auch nicht so schlimm, dass man total durchweicht war. Also immer weiter. Hey, von hier war es nur noch ein Halbmarathon und etwas Zerquetschtes ;-)

Mit der Zeit viel dann das Laufen allerdings immer schwerer, die Höhenmeter forderten ihren Tribut. Fast unmerklich km für km machten die Beine „zu“. Da war es egal ob man Berghoch lief oder danach wieder runter „rannte“. Hier wie da war der Körper und die Muskeln gefordert und an ein „Ausruhen“ nicht zu denken.  Ein Nebeneffekt der Erschöpfung war, dass die Koordination und litt. Gerade auf den anspruchsvolleren Passagen war ein sicherer Tritt nötig und wenn man dann doch mal umknickte musste das möglichst schnell abgefangen werden. Ansonsten war es mit dem Wettkampf schnell vorbei.

So schlichen am Ende die Kilometer vor sich hin. Bei km 64 erreichte ich das Waldhotel Schmücke. Darauf hatte ich mich schon gefreut, sagte mir doch ein Freund vor dem Start, dass es von hier aus wohl die meiste Zeit bergab ging bis ins Ziel. Daher war ich nicht gerade happy, genau hinter der Verpflegungsstelle zu sehen wie der Weg „gen Himmel“ ging. Es sollte auch nicht die letzte Steigung bleiben die auf den letzten knapp 9 km zu bewältigen war.

Das Ziel vor Augen half mir über die letzten Kilometer das Läuferphänomen, dass ich ungeahnte Reserven mobilisieren konnte. Ich wurde sogar schneller und ließ es jetzt alle Berg ab Passagen „laufen“. Vor allem der letzte Kilometer durch Schmiedefeld, durch die mit Zuschauern gesäumten Straßen war ein Highlight und ich lief wie im Rausch. Sprichwörtlich die letzten 150 m auf der Zielgeraden nur noch straight ahead durch den Zielbogen und es war geschafft. Und ich auch. Medaille in Empfang nehmen und ruck zuck zum nächsten Verpflegungsstand.

Danach runter zur Wiese und meinen Kleiderbeutel „suchen“. Dort nahm mich auch schon Reiner in Empfang, nach kurzem Fachgespräche noch in die Dusche – oh wie angenehm sogar warmes Wasser!!

Am Ende hieß es dann lecker Essen, feiern, bzw. sich feiern lassen.

Ich kann nur sagen ein tolles Event, das ich nur weiter empfehlen kann!

 

Meine Garmin- Uhr zeigte übrigens am Ende 1.800 an positiven Höhenmetern. 400 Meter mehr als gedacht. Allerdings habe ich inzwischen beide Zahlen in einer offiziellen Ausschreibung gefunden. Denke somit, dass die 1800 Höhenmeter die korrekte Angabe sind.

 

Eine genaue Streckenbeschreibung findet man auf der Seite des Veranstalters (=> Link) (http://www.rennsteiglauf.de/wettkampf/strecken/supermarathon/)





Veranstaltungs Link => http://www.rennsteiglauf.de/