Ultra Athlet

Train Hard. Race Harder. Enjoy Hardest.



01.05.2016 Eschborn - Frankfurt Skoda Velotour 2016 (104 km)





Als um 6:00 Uhr der Wecker klingelt wird es gerade langsam hell, aber es ist mit 4°C noch ziemlich kühl draußen. Es waren für heute doch zweistellige Temperaturen und Sonne angesagt, eine kurze Panik, sollte ich meine Kleiderauswahl noch einmal überdenken? Sicherheitshalber doch lieber etwas wärmer anziehen, ausziehen kann man ja immer noch etwas.

Die Fahrt zum Start nach Eschborn verlief bis auf die letzten Kilometer reibungslos. Der Stau an den Zufahrten machte einem dann doch deutlich, dass es sich um eine größere Veranstaltung handelte. Parkplätze waren aber genügend vorhanden.

Dann das übliche Prozedere: Startunterlagen abholen (war doch ein etwas längerer Fußmarsch – also etwas mehr Zeit einplanen), Rad fertigmachen, Startnummern fixieren, Trinkflasche füllen, Riegel einpacken, Transponder an der Gabel befestigen…. und was habe ich wieder zuhause vergessen…. Richtig den Seitenschneider um die Kabelbindern  abzuzwicken.   Man merkt ich habe schon länger keine Radveranstaltung mehr mitgemacht. Zum Glück gibt es ja freundliche Kollegen die besser organisiert sind.

Die Startaufstellung auf dem Gelände von „Mann Mobilia“ war erst etwas konfus, bis ich meine Gruppe gefunden hatte.
Am schlimmsten ist immer die Warterei bis es endlich losgeht. Da steht man dann gut 30 min oder auch mehr bei Wind und Wetter und die Zeit scheint zu stehen. Gerade bei dem Wind war es unangenehm.
Die einzelnen Gruppen wurden dann nacheinander in die offizielle Startzone entlassen, wo es dann wieder kurz auf den Startschuss zu warten galt.

Wenn es dann losgeht ist das alles vergessen und es heißt Kette rechts. Es ist eigentlich immer das gleiche vom Start weg gilt es neue Rekorde zu brechen und alle fahren als ginge es um ihr Leben. Man könnte meinen nach 10 km wäre schon das Ziel.
Der heftige Wind war an dem Tage ein entscheidender Faktor. Vorne alleine zu fahren kostete eine Menge kraft. Wenn eine Gruppe nicht funktionierte weil sie sich nicht einig war blieb einem aber nichts anders übrig als das Heil in der Flucht zu suchen und in die nächste Gruppe nach vorne zu fahren. Dieses Manöver musste ich leider hin und wieder unternehmen und dazu wertvolle Körner opfern. Ärgerlich wenn sich dann einige im Windschatten mitziehen lassen. Immerhin 2x hatte ich Mitstreiter die das System „abwechseln“ verstanden haben.
fahrerisch war die Strecke eher unspektakulär, wenn man mal die Straßenbahnschienen und die Abfahrt auf teils nasser Fahrbahn außer acht lässt. Aufpassen musste man eher auf so manchen Teilnehmer. Hier war doch der ein oder andere über motiviert am Werk.  Aber auch das ist bei solch einem Jedermann-Event leider normal.
Das tolle bei solch einer Veranstaltung ist, dass man auf komplett abgesperrten Strecken unterwegs ist. Wann kann man schon mal als Radfahrer auf der Bundesstraße oder durch Frankfurts City fahren ohne das einem Autos oder Ampeln das Leben schwer machen. Mit 40 km/h auf dem Rad durch Frankfurt zu jagen macht eh riesen Spaß!! Das ist auch eines der Highlights vom Iron Man. Aber das ist wieder eine andere Geschichte.
Nach der Jagd durch Frankfurt ging es Richtung Feldberg. Schon bei der Anfahrt merkt man, dass es mit dem Flachen allmählich vorbei ist. Spätestens in Oberursel auf der Hohemarkstraße beginnt der Anstieg zum, mit 878 m, höchsten Berg  des Taunus. Wobei die letzten paar Meter hoch zum Sendeturm ja nicht gefahren werden.
Auf dem Weg nach oben kam ich ganz gut voran. Ich hatte ein für mich angenehmes Tempo gefunden. Nicht unbedingt langsam – da ich einige überholen konnte – aber mit „Luft nach oben“. In früheren Tagen wäre ich hier um einiges schneller hochgefahren. Aber man wird schlicht und ergreifend älter und zudem haben die Langdistanzen auch hier ihre Spuren hinterlassen. Seither haushalte ich mit meinen Kräften – wohl meist zu
sehr.
Wie erkläre ich das am Besten……  Es ist als ob im Kopf etwas sagt „mach nicht zu schnell“, spare deine Kraft du wirst sie noch brauchen. Wahrscheinlich weil man sich unterbewusst daran erinnert wie es sich anfühlt, wenn man „richtig leer“ ist und nichts mehr geht. Und das möchte man unbedingt vermeiden. Also eine Mischung aus Vorsicht und „Angst“. Das was einen auf den Ultra Distanzen schützt, hemmt einen bei solchen „kurzen“ Events - zumindest mich. Das es so ist merkt man, wenn man im Ziel ankommt und die Strecke gerade noch einmal fahren könnte. Denn dann hat man definitiv nicht alles gegeben. Auf der anderen Seite hat man am nächsten Tag keine Probleme und braucht keine Regenerationsphase :-)

Nach einer schnellen Abfahrt vom Feldberg folgt in Niederreifenberg der nächste kurze Anstieg Richtung Oberems. Von hier aus geht es auf der B8 nach Glashütten um danach wieder etwas bergab in das Örtchen Schloßborn zu gelangen. Hoch nach Ruppertshain wartete noch mal eine kleine Rampe auf die Fahrer. Dies sollte aber auch das einzige steilere Stück des Tages bleiben. Ab Eppstein ging es wieder hinaus aus dem Taunus in nur noch leicht wellige Gefilde.
   Ab da kamen auch wieder die Windverhältnisse zum tragen. Bis ins Finish sollte der Wind nun von vorn oder von der Seite kommen. Daher waren Gruppenbildungen hier von großem Vorteil. Durch diese Maßnahme ließen sich weiterhin höhere Geschwindigkeiten verwirklichen. Alleine wäre das nicht möglich gewesen. Erst die letzten 3-4 km von Niederhöchstadt bis ins Ziel hatten wir dann endliche den Wind im Rücken. Was zu Geschwindigkeiten über 50 km/h zuließ und zu einer besonderen Zielanfahrt führte. Es war fast wie bei einem Massensprint bei der Tour de France, im dicksten Gang ging es über die Ziellinie. Gut das die Straße und die Zufahrt entsprechend breit waren.

Nach der Zieldurchfahrt hieß es sich noch kurz anstellen um den Transponder abzugeben und die Medaille zu empfangen. Danach gab es auf dem großen Parkplatz alkoholfreies Bier und man konnte sich Wurst und Kuchen kaufen. So gestärkt konnte man auf der Leinwand die Fahrt der Profis verfolgen, und somit den Tag ausklingen lassen…..

Mein Fazit:
„Die Velotour – Rund um den Finanzplatz Eschborn“ ist eine fast einmalige Gelegenheit auf gesperrten Straßen Frankfurt und den vorderen Taunus zu befahren. Daher auf jedenfall eine Empfehlung wert.
Am Ende hatte die „104 km“ Strecke gut 1.500 hm, welche aber gut zu fahren waren. Die Orga im Start-/Zielbereich war gut; die Parkmöglichkeiten ausreichend. Einzig bei der Streckenausschilderung bzw. der Richtungsanweisung der Ordner böte sich noch Verbesserungspotential. Gerade bei dem teils doch höheren Tempo war nicht immer leicht ersichtlich wo es denn nun lang gehen sollte.