Ultra Athlet

Train Smart.  Race Hard.



02.10.2016 Gelita Trail Marathon Heidelberg

Ahh, mal morgens nicht um 04 Uhr aus dem Bett um rechtzeitig zu einem Wettkampf  zu kommen. 11 Uhr, das nenne ich mal eine angenehme Startzeit für einen Marathon.

Also erst mal in Ruhe frühstücken, anziehen und sich dann auf den Weg nach Heidelberg machen.

Ich hatte beschlossen etwas außerhalb zu parken und dann mit dem Bus in die City zu fahren. Klappte auch alles wunderbar. Das man die Öffentlichen Verkehrsmittel an diesem Tag umsonst nutzen konnte war schon eine tolle Sache! Den 1 € für die Bergbahn habe ich gerne bezahlt, ersparte mir das doch das Treppensteigen.

Oben angekommen war es auch ein Katzensprung zu dem Gebäude mit den Startunterlagen. In Anbetracht der reibungslosen Anreise hatte ich nun noch gut über 1 Stunde Zeit bis zum Start. Ich nutze die Zeit um mir am Schloss eine sonnenbeschienen Parkbank zu suchen und mich dort um zu ziehen.

Für kurzweile sorgte Kibrom Issac der zu mir kam und mich fragte wie das mit der Startaufstellung funktionieren würde, und wo er denn starten wrüde. Da es mein erster Start beim Gelita Trail war hatte er ja da den Richtigen erwischt J

Nachdem ich mir seine Startnummer angesehen hatte, gab ich ihm den Tipp sich mal ganz vorne hinzustellen. Denn da war ein „TOP“ vermerkt, zudem kam er mir auch bekannt vor. Naja irgendwie läuft man sich halt immer bei irgendeiner Veranstaltung über den Weg.

Wir haben dann noch etwas erzählt und uns dann auf den Weg gemacht unsere Taschen bei der Kleideraufbewahrung abzugeben. Das ich mich hier so locker auf Deutsch-Englisch mit dem später 3. platzierten unterhalten habe, konnte ich zu dem Zeitpunkt ja noch nicht ahnen ;-)
Sonst hätte ich mir besser noch ein paar Tipps geholt.

Die Kleiderabgabe zog sich etwas hin, aber die Jungs & Mädels gaben alles um in dem kleinen Zelt ein Plätzchen für die Taschen zu finden. Und da ich am Ende zügig meine Tasche wiederbekommen habe, spricht alles dafür, dass ihr System funktioniert hat.

Die Startaufstellung war dann auch kein Problem, auf der Startnummer befand sich kein Vermerk in welcher Startgruppe man sich einreihen sollte. Somit konnte sich jeder vor Ort entsprechend seiner „vermuteten“ Zielzeit einreihen (bis auf die TOP-Läufer versteht sich). Ich hatte mich für die erste Startgruppe entschieden, was sich am Ende auch als richtig herausstellen sollte. Ich muss eh sagen, dass die Meisten Läufer sich hier ganz gut eingeschätzt haben. Leider ist es eine verbreitete Seuche, dass bei Wettkämpfen Läufer sich in Startgruppen befinden, in denen sie nichts verloren haben. Mir wäre das egal, solange ich dadurch keinen Nachteil habe. Aber wenn dann kurz nach dem Start ein regelrechter Stau entsteht und man sich dann mühevoll durch die langsamen Läufer durchquälen muss und damit wertvolle Energie opfert ist das nicht witzig. Sondern extrem egoistisch und unfair den anderen Teilnehmern gegenüber.

Aber wie gesagt hier war alles ok. Das hat sich gleich nach dem Start gezeigt. Denn hier ging es flott los. Nach einem kurzen Stück durch die Parkanlage, vorbei am „Vater Rhein“ ging es dem Burgweg hinunter zum Völkerkundemuseum. Hier dann links etwas durch die Altstadt zum Marktplatz, dabei passierten wir die „Heiliggeistkirche“. Danach ging es auf der „Alten Brücke“ über den Neckar. So bei ca. km 3 hatte das „Einlaufen“ sein Ende gefunden und es ging die Hirschgasse bergauf. Ein netter Einstieg, wenn man bedenkt was noch alles folgen sollte. Und der erste „Hammer“ ließ nicht lange auf sich warten. Nur 2 Kurven später erreichten wir einen schmalen Weg der gefühlt senkrecht in die Höhe ging. Ich entschloss mich das Laufen vorerst zu beenden und es mit Gehen/Wandern zu versuchen. Es mögen vlt. Nur 200-300m gewesen sein, aber Zeitlich kam einem das ganze wesentlich länger vor. Oben angekommen ging es erst mal flach weiter auf dem „Philosophenweg“. Dort oben hatte man einen tollen Blick auf Heidelberg und das Schloss. Dort waren wir vor kurzem erst gestartet. Gut 38 km lagen ab hier noch vor uns.

Ab dem „Bismarksäulenweg“ war wieder Berghoch angesagt. Vorbei am „Fuchsrondell“ gab es einen schönen breiteren Trailweg hoch zur „Thingstätte“ Interessantes Gebilde, mit einigen Stufen. Auch hier entschloss ich mich nach anfänglichem Laufen auf ein flottes Treppen-gehen. Nur nicht zu früh Kräfte verschwenden. Auch wenn die Zuschauer und die Fotografen zum laufen animierten. Oben angekommen ging es leider nicht mehr hoch zum „Römischen Tempel“ sondern gleich rechts in einem Trail wieder bergab.
Auf dem „Zollstockweg“ erreichten wir kurze Zeit später den „Schlossblick“. Hier hatten aber wohl die wenigsten einen Blick übrig sondern hechteten unter Beifall von Helfern und einigen Zuschauern einen kleinen Wall hinauf, um sich kurz darauf auf dem Breitwald Fußweg einen recht anspruchsvollen Trail hinabzustürzen. Stürzen war hier leider im wahrsten Sinne des Wortes der Fall, denn ein Läufer hatte es wohl etwas zu eilig und bei seinem Laufen eine der vielen Steine/Wurzeln übersehen. Nach dem Schock musste er sich erst mal einen Moment erholen. Vor so etwas ist man beim Traillaufen leider nie gefeit. Der Weg endete direkt am Turnerbrunnen und somit am ersten VerpflegungsPunkt des Tages. Da ich meinen Salomon Trinkrucksack dabei hatte, war ich gut versorgt. Ich nahm nur ein kleines Stück Banane und weiter ging es den Talweg auf der „Sommerseite“ hinauf bis zum „Talverbindungsweg“ und dort ein ganzes Stück auf der „Winterseite“ wieder hinab, und zwar bis zum „Schmalzwasenteichweg“. Hier folge dann gleich wieder ein steiles Trail querfeldein Stückchen, das doch eher wieder zum Gehen animiert. Am Ende ging es dann über den „Waldweg“ gefolgt von einem Trailabschnitt hoch zum „Stickelsplatz“.
Von hier wechselten sich die Landschaftlich schönen Strecken weiter munter ab. Mal schmale Trails, mal Forstwege, auch mal ein Stück Asphalt. Erwähnenswert wäre noch ein kurzes aber steiles Stück direkt an der „Strangwasenhütte“; dann bei km 19 der VP am „Weißen Stein“; wenig später gefolgt vom VP bei Km 21,1 am Parkplatz „Langer Kirschbaum“; und die steile „Schönauer Straße“ hinab nach Ziegelhausen.

Dort ging es auf der Ziegelhäuser Brück wieder auf die andere Neckarseite nach Schlierbach und bei km 30 zum vorletzten VP des Tages.

Ab hier hieß das nächste Ziel „Königstuhl“. Doch zuvor galt es noch gut 7 km Strecke berghoch zu bewältigen inklusive der „Himmelsleiter“.  Ich merkte richtig wie die Energie im Körper nachließ und die Beine allmählich schwerer wurden. Zwar lief ich noch die meisten Berganstücke aber es waren auch Abschnitte dabei die ich gehen musste, die ich aber normalerweise gelaufen wäre. Die Erschöpfung drückt dann auch immer mit auf die Stimmung. Nicht das ich schlecht gelaunt gewesen wäre. Aber hatte ich mich anfangs noch an den Strecken/Wegen erfreut und hier und da sogar die Landschaft um mich herum genossen; so war es doch jetzt schon eher ein Tunnelblick beim Laufen. Zudem konnte das Ziel nun für mich nicht schnell genug erscheinen. Und das war noch vor der Himmelsleiter; die ca. bei km 36 im wahrsten Sinne des Wortes „vor mir stand“ oder ich eher vor ihr. Laufen war ab hier für mich definitiv vorbei. Nun galt es möglichst schnell die letzte Hürde dieser Veranstaltung – so dachte ich zumindest – zu nehmen. Also Zähne zusammen beißen und Stufensteigen. Immer eine nach der anderen. Von der Strecke her gesehen war es ja eigentlich nicht mehr weit bis hoch zum Köngistuhl; halt nur noch „ein paar Stufen“ mehr nicht. Da mir diese Treppen merklich in die Knie gingen, war meine Taktik wenn möglich die Stufen zu meiden und lieber daneben auf dem steilen Waldboden zu laufen. Das gelang zwar nicht immer, wo es ging brachte es Erleichterung. Ich möchte diese „Himmelsleiter“ auch nicht glorifizieren. Aber man muss bedenken, dass man hier ja schon 37 km und über 1200 hm in den Beinen hat. So dass der Name „Höllenleiter“ hier auch nicht verkehrt wäre.
Und um das Ganze zu unterstreichen bekam ich einen richtig üblen Krampf in der rechten Wade, als ich gerade die letzten 3 Stufen nehmen wollte. Ein kurzes übles Stechen und die Wade machte dicht. Wären nicht die ganzen Leute da oben gewesen hätte ich mich wohl erst mal auf den Boden gesetzt. So aber bin ich erst mal weiter ge-humpelt bis zur Verpflegungsstelle. Dort habe ich mir mit 3 Bechern Cola erst mal Zucker verpasst und dazu alles Salzhaltige zu mir genommen was ich greifen konnte, wärend dessen habe ich versucht die Wade etwas aufzudehnen. Danach nur schnell weiter, natürlich gehen, jedenfalls nur nicht anhalten und die Muskulatur kalt werden lassen. Nach ein paar Schritten begann ich wieder zu laufen. Zu meinem leitwesen folgte jetzt nicht ein schöner smoother Forstweg oder eine Straße (welche eigentlich genau vor mir lag) sondern die Strecke ging rechts in einen mit Steinen und Wurzeln übersäten Trail. Mit müden Beinen, geschwächter Muskulatur und Körperlich auch nicht mehr taufrisch ist das eine Ansage. Ich habe mir immer vor Augen geführt, dass es nun nicht mehr weit bis ins Ziel ist; nur  noch 5 km. Zur Not könnte man es ja auch gehen. Aber dazu hatte ich echt keine Lust. Also versuchte ich mein Glück mit dem Laufen. Wobei ich versuchte einen Mittelweg zwischen Schnell und wenig Bremsen und sicher zu finden. Denn sobald ich anfing „langsam“ zu laufen ging das sofort auf die Muskulatur und ich merkte wie die Wade wieder zu ging. Andererseits wenn man schnell unterwegs war galt es Steinen und Wurzeln zügig auszuweichen und das war ohne einige lange Schritte, kleine Sprünge nicht machbar. Was aber dazu führte das meine geschundene Wadenmuskulatur nicht immer die Kraft hatte das alles abzufangen und dann nachgab. Das ich dabei nicht hingeflogen bin ist fast ein Wunder.

Auch wenn man nicht wie ich das Pech hat, dass einem kurz vor Schluss die Muskulatur einen Streich spielt. Diese letzten „kilo-Meter“ haben es echt in sich, und ich kann nur den Tipp geben sich auch für die Zeit nach der „Himmelsleiter“ noch etwas Energie und auch die nötige Konzentration für das Bergabstück aufzusparen.

Wenn man immer im Hinterkopf hat, dass einem bei jedem Schritt die Wade im Stich lassen kann, dann ist das Vergnügen etwas dahin. Auch von der Umgebung habe ich nicht mehr sehr viel war genommen. Ich hatte da leider andere Prioritäten. Ansonsten sind die letzten Meter bestimmt mit die schönsten. Ich habe noch bemerkt, dass wir über eine Brücke gelaufen sind auf der man die Bergbahn überquerte und von wo man einen schönen Blick hatte. Aber ansonsten habe ich dann erst wieder die Bilder im Kopf als wir von der Straße auf den Weg Richtung Ziel abgebogen sind und ich direkt den Blick auf das Torhaus hatte. Danach folgte der stimmungsvolle Zieleinlauf auf diesem Prachtweg oberhalb vom Schlossgarten. Das war wirklich eine schöner Zieleinlauf. Der einen für die Mühen und Strapazen der letzten Stunden entschädigt hat. Mit einer Zielzeit von unter 4:15 h war ich in Anbetracht der Vorkommnisse mehr als zufrieden.

Im Ziel nutzte ich die Verpflegungsmöglichkeit und stärkte mich erst mal mit einigen Laugenstücken und viel Cola sowie alkoholfreiem Weizen. Danach gönnte ich mir auch noch eine Massage.

Später traf ich auch Kibrom wieder und wir hatten Gelegenheit kurz über das Rennen zu sinnieren. Auch der Sieger Florian Neuschwander kam kurz vorbei.

Hier muss ich sagen ein absoluter Hammer was der Typ an dem Tag da abgeliefert hat. Er knackte die magische 3 Stundenmarke und kam nach 2:55:25 h ins Ziel. Man muss dieses Rennen einfach selbst einmal gelaufen sein – und das kann ich wirklich nur jedem Trailläufer ans Herz legen – um diese Leistung entsprechend zu würdigen. Chapeau Florian!

Ich war und bin noch immer von dem Gelita Trail Marathon begeistert. Für mich eines der besten nicht Alpinen Laufevents abseits der Straße.
Und somit ein Top Tipp!

Nach dem Rennen sollte man noch die Gelegenheit nutzen den Tag im schönen Heidelberg ausklingen zu lassen und sich für „die Strapazen“ zu belohnen. Ob mit Café und Kuchen oder was herzhaften. Da gibt es in der Altstadt mehr als genug Möglichkeiten ;-)